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Zurück zur ureigenen Kraft: Mit Intuition und Homöopathie durch die Schwangerschaft und Geburt

Zurück zur weiblichen Urkraft

Warum du in der Schwangerschaft zurück zu deiner eigenen Kraft finden solltest, statt dich von anderen verrückt machen zu lassen. Im Interview mit einer Hebamme.

Die Schwangerschaft ist eine aufregende Zeit und die Geburt für die meisten Erstgebärenden ein großes Mysterium. Man wird konfrontiert mit Geburtsberichten, Tipps und Meinungen, mit Büchern, Kursen und digitalen Informationen. Das kann schnell überfordern.

Karin Streu ist seit 37 Jahren Hebamme und findet, dass Frauen wieder mehr auf ihre eigene Kraft vertrauen sollten, statt sich durch das Internet und andere Mütter verrückt machen zu lassen. Denn es ist nicht egal, wie und wo wir geboren werden. Und wenn es während der Schwangerschaft oder danach einmal zu Problemen kommen sollte, steht sie ihren Patientinnen mit Rat und Homöopathie zur Seite. Im Interview erzählt sie von ihrem Werdegang, ihren Erfahrungen im Beruf und gibt Tipps an junge Mütter, die sich im Hinblick auf die Geburt gesellschaftlichem Druck ausgesetzt fühlen.

GreenKIDZ: Hallo Karin, du bist freiberufliche Hebamme und Heilpraktikerin in klassischer Homöopathie. Wie ist der Berufswunsch entstanden und kannst du uns einmal deinen Werdegang beschreiben?

Karin Streu: Ich habe 1980 in einer ostwestfälischen Kleinstadt mein Abitur gemacht. Das war schon fast etwas Besonderes: meine Eltern kamen ursprünglich aus Schlesien, ich war also ein Kind von „Aussiedlern“. Ich habe noch 3 Geschwister, die bereits nach der 10. Klasse die Schule verließen und Geld verdienen wollten. Das Abitur war im oberen 2er-Bereich und es war direkt klar, dass es nicht sofort mit dem gewünschten Medizin-Studium klappen würde. Ich musste also Wartezeit überbrücken, wollte erste medizinische Eindrücke bekommen, aber auf gar keinen Fall nur in der Assistenz arbeiten…    

Ich ging also die Berufe im medizinischen Bereich mental durch und, da die Pflege für mich ausschied und das Studium noch nicht möglich war, kam ich ganz rational auf das Ergebnis: Hebamme. Eine Entscheidung, die ich nie in Frage gestellt habe und ich auch heute nochmal so treffen würde. Seit 2020 ist der Hebammenberuf als 4-jähriger Studiengang in den Hochschulen zu finden und ich begrüße es sehr, dass dieses umfangreiche Wissen am Ende einen Akademischen Abschluss findet.

Die Entscheidung, dann irgendwann zusätzlich die Heilpraktiker-Ausbildung anzuschließen, war wieder eine praktische. Als Hebamme darf ich nur Frauen und Familien in Schwangerschaft, unter der Geburt und bis zur 8., bei frühgeborenen Kindern oder Zwillingen bis zur 12. Lebenswoche begleiten. Da ich den Kontakt aber halten wollte oder auch weiterhin klassisch homöopathisch gefragt wurde, war diese Legitimation unumgänglich.

Welche Leistungen bietest du in deiner Hebammenpraxis Menschenskinder an?

intuitive Schwangerschaft
Bild: Unsplash

Nun arbeite ich seit 1983 im Hebammenberuf, seit 1999 – nach der Geburt unserer Kinder- freiberuflich in eigener Praxis. Neben einem umfassenden Kursprogramm zu allen Themen vor und nach der Geburt arbeite ich seit nun mehr als 20 Jahren im Begleit- oder auch Belegsystem. Dies bedeutet, dass sich Eltern schon sehr früh in der Schwangerschaft bei mir melden, sich beraten lassen und den Wunsch äußern, am Tag X von einer vertrauten Hebamme durch alle Phasen der Geburt und des Wochenbettes geführt zu werden. Dazu gehört ein umfangreiches Kennenlernen und auch Vorsorgetermine bei der Hebamme und nicht nur in der Frauenarztpraxis wahrzunehmen. Bereits ab 4 Wochen vor der Geburt bin ich dann für diese Eltern telefonisch erreichbar und begleite sie auf dem vorher besprochenen Weg einer Haus- oder Klinikgeburt.

Du begleitest Mütter und Paare während der Schwangerschaft, der Geburt und danach mithilfe von Homöopathie. Worin siehst du da die Vorteile zur klassischen Schulmedizin?

Hebammen sind zur ständigen fachlichen Weiterbildung verpflichtet und müssen dies alle 3 Jahre mit 60 Fortbildungsstunden beim Gesundheitsamt nachweisen. Und so hatte ich mich für eine Homöopathische Ausbildungsreihe angemeldet und war von der ersten Vorlesung an beeindruckt und fasziniert. Die Homöopathie behandelt nicht die medizinische Diagnose, sondern den Menschen dahinter mit seinen Symptomen. Und diese sind natürlich bei jedem Menschen mit einer Migräne oder einer Blasenentzündung anders. Es wird also individualisiert und nicht pauschalisiert. Gerade in der Schwangerschaft sind bzw. sollten Frauen/Eltern zu Recht arzneikritisch sein und dazu gehört es, sie nicht stofflich zu belasten. Was der schwangeren Frau verordnet wird, nimmt automatisch auch das Kind mit auf und macht über einen längeren Zeitpunkt gesehen eine Arzneimittelprüfung durch.

Die Homöopathie arbeitet in hoher Verdünnung. Der Grundstoff dieser Arznei ist nicht mehr nachweisbar, sondern es arbeitet und wirkt die Arzneiinformation, es ist also eine energetische Arznei.

Homöopathie in der Schwangerschaft
Homöopathie für Schwangere und Kinder I Bild: Unsplash

Wie kann so eine homöopathische Behandlung aussehen? Was sind die häufigsten Beschwerden während der Schwangerschaft und was deine Lösungsansätze?

In der täglichen Sprechstunde biete ich jeder Frau pro Termin eine Stunde Zeit an. Das gilt für Beschwerden gleich wohl wir für Vorsorgetermine. Daher sind es meistens Akut-Verordnungen, die getroffen werden. Das geht über die lästige Übelkeit zu Beginn der Schwangerschaft hin bis zu den Wadenkrämpfen um die 20. SSW herum, aber auch Sodbrennen und Rückenbeschwerden versuche ich homöopathisch günstig zu beeinflussen, bzw. aufzulösen. Sollte trotz wahlanzeigender Symptome und guter Verordnung eine Besserung ausbleiben, vereinbare ich mit den Frauen einen „großen“ 2,5-stündigen Anamnesetermin, um all ihren Beschwerden und ihrer Person gerecht werden zu können.

Welche sind deine Must-haves für eine homöopathische Hausapotheke für Kinder?

Homöopathie für Babys
Bild: Unsplash

Kinder, die noch nicht geimpft sind und noch voll gestillt werden, werden in der Regel nicht krank und brauchen daher keine Arzneien. Andersherum sei gesagt, wenn wenige Wochen alte Kinder fiebern oder auffällig sind, gehören sie unabdingbar dem Kinderarzt vorgestellt. Die Diagnose entscheidet dann über den homöopathischen Spielraum oder die Mitbehandlung. Inzwischen haben viele Apotheken auf ihren Webseiten zusammengestellte homöopathische Taschenapotheken, die die häufigsten und wichtigsten Mittel im Kleinformat anbieten. Es ist natürlich sehr hilfreich, wenn Eltern am Ende der telefonischen Beratung die Arznei auch zu Hause zur Verfügung steht.

Hausgeburt, Geburtshaus, Krankenhaus? Welche Formen der Geburt begleitest du und wie sind deine Erfahrungen damit?

Seit vielen Jahren begleite ich Elternpaare im St. Josef Hospital in Troisdorf als Beleghebamme. Ist die Geburt gut überstanden, kann sich die Frau entscheiden, ob sie ein paar Tage in der Klinik bleiben möchte oder sie nach wenigen Stunden direkt heimgehen möchte. Wir nennen das eine ambulante Entbindung. Frauen mit Geburtserfahrung wünschen sich auch häufiger eine Hausgeburt, um die Sicherheit ihrer vertrauten Umgebung nutzen zu können. Gerade in den aktuellen Corona-Zeiten wird dieser Wunsch öfter an mich herangetragen und ich begrüße es sehr, dass es wieder mehr Frauen gibt, die an ihre ureigene Kraft und Fähigkeit zu gebären glauben. Trotzdem ist der Anteil der zu Hause geborenen Kinder im Vergleich zu den Klinikgeburten in etwa 1:10. Aktuell habe ich keine Geburtshauserfahrung, es reizt mich aber sehr, im Team und im Austausch mit Kolleginnen zu arbeiten.

Wirkt sich die Art der Geburt in einer bestimmten Weise auf das Neugeborene und später auf die Entwicklung eines Kindes aus – Was ist deine Ansicht dazu?

Ich denke schon, dass es nicht egal ist, wie und wo wir geboren werden. Zu Hause geborene Kinder sind so häufig ganz offensichtlich ausgeglichener, trinken und schlafen besser, sind definitiv nicht gestresst. Damit will ich die Kliniksituation nicht zwangsläufig verurteilen, aber die Abläufe sind eben genormt und lassen dem „neuen“ Kind und seiner Familie selten den eigenen Rhythmus. Kinder, die einen Aufenthalt auf einer Intensivstation hatten, sind oft schreckhaft, schlafgestört und extrem berührungsempfindlich, besonders an den Füßchen. Kinder waren aus ihrer Sicht ihr Leben lang zu zweit, hängen auch nach der Geburt „noch an der Nabelschnur“. Sie brauchen also den ständigen Körperkontakt durch ein Elternteil, um dieses Urvertrauen zu lernen, dass jemand da ist, wenn sie Hilfe brauchen. Dieses Selbstverständnis lässt sie zu starken Persönlichkeiten heranwachsen.

Neben der klassischen Geburtsvorbereitung in Form von Kursen, hast du weitere Tipps wie man sich als Frau auch mental am besten auf eine Geburt vorbereitet?

Die moderne junge Frau, die sich heute auf eine Schwangerschaft einlässt, fühlt sich einem enormen Druck ausgesetzt. Sie hat alle Möglichkeiten der digitalen Information, wird ungefragt mit Erzählungen und Berichten über das Thema Geburt und Kind überschüttet und hat ihren persönlichen Stress, auch diese Lebensaufgabe perfekt zu meistern. Andere haben es schon geschafft, eventuell sehr gut geschafft, das möchte sie auch…

Zurück zur Intuition I Bild: Unsplash

Mein Einziger Tipp und Wunsch wäre es, dass Frauen wieder intuitiver werden, in sich reinhören, mehr fühlen als lesen. Sie sollten sich früh einer Person ihres Vertrauens öffnen und abgeben können. Schrittweise wird sie in das Thema Familie reinwachsen und irgendwann genau spüren und wissen, was sie braucht, was ihr hilft und was eben viel zu viel ist. Frauen erleben im Schnitt 2, vielleicht 3 Schwangerschaften und Geburten. Dieses Thema wird wirtschaftlich und kommerziell total ausgeschöpft. Sie muss vor allen Dingen lernen, dass es Momente im Leben gibt, die sie nicht kontrollieren und beeinflussen, sondern einfach nur annehmen kann. Je mehr sie bei sich bleibt, umso mehr Energie wird gespart für ein hoffentlich positives Geburtserlebnis und einen glücklichen Übergang von der Frau zur Mutter.

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Ein Interview geführt von Svenja Kopp I Symboldbild: Unsplash

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Redaktion GreenKIDZ.de

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