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Waldorfkindergarten: Eine nachhaltige Alternative?

Holzspielzeug im Waldorfkindergarten

Nachhaltigkeit in der Kita? Über Holzspielzeug, Stoffwindeln und „grüne“ Alternativen spricht Svenja Preuster aka. Fräulein Öko.

Die Waldorfpädagogik wird oft als die „grüne“ Alternative zu herkömmlichen Kindertagesstätten gesehen, weil dort viel Wert auf einen achtsamen Umgang mit der Natur gelegt wird. Svenja Preuster, die auf YouTube und Instagram als Fräulein Öko bekannt ist, ist Erzieherin in einer Waldorf-Kita und erzählt im Interview, wie sie dort Nachhaltigkeit vorlebt und vermittelt – Kindern und Eltern. Denn Spielzeuge müssen nicht aus Plastik und Windeln nicht zum Wegwerfen sein. Wenn Eltern und Erzieher ein ökologisches Bewusstsein vorleben, steht auch dem der Kinder nichts im Wege.

Instagram-Bild Fräulein Öko
Fräulein Öko auf Instagram I Bild: Svenja Preuster

GreenKIDZ: Hallo Svenja, man kennt dich von YouTube und Instagram als Fräulein Öko, hauptberuflich bist du aber Erzieherin in einer Waldorf-Kita. Was hat dich dazu bewegt, diese beiden Wege einzuschlagen?

Svenja Preuster: Erzieherin wollte ich seit meinem ersten Praktikum in der achten Klasse werden. Dort konnte ich zwei Wochen in den Alltag als Erzieherin schnuppern. Videos zu produzieren habe ich mit 16 Jahren, also kurz nach dem Realschulabschluss, einfach mal ausprobiert. Ich habe mir so gern Tutorials angeschaut zu der Zeit zum Thema Mode, Frisuren und Makeup und das hat mich inspiriert. Instagram kam dann später hinzu.

Wie verlief deine eigene nachhaltige Entwicklung und inwiefern hat sie deinen Beruf als Erzieherin beeinflusst oder umgekehrt?

Ich habe mit 18 Jahren (2014/15) angefangen, mich mit den Inhaltsstoffen von Kosmetik zu beschäftigen, weil ich auf vieles allergisch reagiert habe. So kam ich auf Naturkosmetik, dann auf Bio-Lebensmittel und Verpackungen. Im Januar 2016 wurde ich Veganerin. Meinen Berufswunsch hat das wenig beeinflusst, da ich ja schon mitten in der Ausbildung war. Mich hat aber oft das Konzept in klassischen Kindergärten gestört, das viele Plastikspielzeug, jeden Tag Fleisch und kein Bio-Essen. Durch ein Praktikum in der Erzieher*innenausbildung bin ich auf die Waldorfpädagogik gestoßen und hab mich dort sehr wohl gefühlt.

Spielzeug aus dem Wald
Tannenzapfen als Spielzeug I Bild: Unsplash

Welche Altersgruppe betreust du in der Kita und wie setzt du das Thema Nachhaltigkeit bei deiner Arbeit um? Hast du Tipps für Erzieher*innen und Einrichtungen?

Ich betreue Kinder zwischen 1-3 Jahren. Nachhaltigkeit aktiv anzusprechen ist kaum möglich, dazu sind die Kinder noch zu klein. Sie lernen aber viel durch Vorbilder und Nachahmung. Das heißt, wenn ich meine Nachhaltigkeit im Alltag lebe, schauen sie sich das ab ohne zu wissen, was es bedeutet. Ich repariere viele kaputte Dinge, statt sie wegzuwerfen. Ich esse viel frisches Obst und Gemüse, die Kinder dürfen immer probieren. Wir bestellen eine regionale Bio Kiste und räumen sie mit den Kindern aus, dort ist das meiste unverpackt. Wir stellen Spielzeug selbst her, schnitzen, häkeln, stricken usw. Und es gibt ja generell wenig Plastik im Waldorfkindergarten.

In welchen Bereichen, findest du, lässt sich Nachhaltigkeit besonders einfach umsetzen und wo gestaltet sich das Ganze schwieriger?

Im Bereich Essen und Spielzeug finde ich es bei uns einfach. Die Kinder bekommen vegetarisches Bio-Essen, meist regional und saisonal. Wir haben viel natürliches Spielzeug wie Metalltöpfe, Löffel, Kannen, Tücher, Kastanien, Zapfen, Taschen, Bänder, Filzbälle, Zwerge, Holztiere, Bauklötze, Kissen, Puppenwägen usw., vieles davon vom Flohmarkt.

Schwieriger ist es im Badezimmer wegen der Windeln. Leider nutzen nur vereinzelte Eltern

Stoffwindeln. 

Um auch mal die andere Seite zu beleuchten: Gibt es etwas, das dir in Bezug auf die Eltern auffällt? Wie viel ökologisches Bewusstsein ist vorhanden und hast du den Eindruck, dass sich in der Hinsicht etwas verändert?

Viele Eltern haben ein ökologisches Bewusstsein, manche kennen auch meine Videos oder fragen mich nach Tipps. Die meisten sind sehr offen für nachhaltige Alternativen und kaufen vieles gebraucht. Gerade für Kinder gibt es ein riesiges Angebot an Secondhand Kleidung etc., das spart ja auch Geld.

Die Natur gibt so viel her! I Bild: Unsplash

Wie versucht ihr als Erzieher auch das ökologische Bewusstsein eurer Kindergartenkinder gezielt zu fördern?

Wir fördern es nicht gezielt, sondern wirklich mehr durch Vorbild. Ab einem gewissen Alter fragen die Kinder ja auch, warum wir es so machen und dann kann ich es vereinfacht erklären. Gerade unter drei interessieren sich die Kinder aber nicht dafür, sondern orientieren sich mehr an den Erwachsenen und ahmen nach.

Welche sind deine Top 3 nachhaltigen Alternativen für Kleinkinder?

Stoffwindeln! Die sparen so viel Müll und auf lange Sicht auch Geld, sie können für Geschwisterkinder weitergenutzt werden oder auch weiterverkauft. Zu Hause ist es auch sehr einfach waschbare Baumwollläppchen zu nutzen statt Feuchttücher. Und alles Mögliche secondhand kaufen. Es gibt so viel Spielzeug und Kleidung gebraucht, aber auch Erstausstattung wie Kinderwagen, Tragetuch, Möbel, Bücher etc. Das muss nicht neu produziert werden und spart viele Ressourcen.

Den achtsamen Umgang mit Tieren und der Natur lernen Kinder auch hier: Konzept Begegnungshof – Tieren auf Augenhöhe begegnen.

Übrigens: GreenKIDZ ist auch bei Instagram!

Ein Interview geführt von Svenja Kopp I Symbolbild: Canva

Über den Autor

Redaktion GreenKIDZ.de

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