Baby Baby-Ernährung Baby-Gesundheit Kind Kinder-Ernährung Kinder-Gesundheit Kleinkind Kleinkind-Ernährung Kleinkind-Gesundheit

Vegane Ernährung für Kinder. Ist das gut?

Vegane Ernährung für Kinder?

Viele Eltern die sich vegan ernähren, wünschen sich diese Ernährungsweise auch für ihre Kinder. Das hat oft ethische Gründe, für viele spielt aber auch die Umwelt eine große Rolle. Doch einige Quellen warnen vor veganer Ernährung für kleine Kinder, bezeichnen diese gar als gefährlich. Wir haben mit der Ernährungsberaterin Sonja Guse gesprochen, um für euch Licht ins Dunkel zu bringen.

GREENKIDZ: Liebe Frau Guse, das Thema “soll ich mein Kind von Anfang an vegan ernähren” spaltet gerade das Internet, wie stehen Sie zu der Frage?

SONJA GUSE: Die Diskussion dreht sich ja darum, ob Kinder mit einer veganen Ernährung gesund aufwachsen können. Hier gibt es viel Unwissenheit und Vorurteile. Mit einer gut geplanten, ausgewogenen, vollwertigen, rein pflanzlichen Ernährung ist das selbstverständlich möglich. Das bestätigen verschiedene Ernährungsgesellschaften weltweit, z. B. die amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics. Die Kanadische Regierung hat jüngst Milch und Milchprodukte aus ihrer Ernährungspyramide entfernt.

Eltern sollten sich gut informieren und selbst einen gesunden Ernährungsstil führen – und das gilt für alle, auch solche, die sich nicht vegan oder vegetarisch ernähren.

Auf was muss ich speziell achten, wenn ich mein Kind vegan ernähren möchte?

Die Ernährung sollte vielfältig und ausgewogen sein, mit Vollkorngetreideprodukten, Nüssen, guten Ölen, Hülsenfrüchten sowie reichlich frischem Obst und Gemüse. Das Angebot sollte kindgerecht sein, d. h. immer wieder anbieten und verschiedene Zubereitungen ausprobieren. Ganz wichtig für alle ist Vitamin B12, das sollte von Anfang an supplementiert werden. Hierfür gibt es unterschiedliche Darreichungsformen von Tropfen über Lutschbonbons bis zu Dragees und Kapseln.

Vegane Ernährung für Kinder?

Eignet sich vegane Ernährung für jedes Kind?

Wenn die Ernährung gut geplant wird, eignet sich rein pflanzliche Ernährung für jedes Kind. Ein besonderes Augenmerk gilt Frühchen und chronisch kranken Kindern oder Allergikern, hier muss genau geschaut werden ob die Nährstoffzufuhr auch ohne tierische Produkte gedeckt werden kann. Z. B. bei multiplen Allergien auf Nüsse, Fructose und Soja kann es u. U. schwierig sein. Das muss dann im Einzelfall entschieden werden.

In Studien und der Presse ist oft von Wachstumsverzögerung und Nährstoffmangel als Folge veganer Ernährung die Rede. Ist die vegane Ernährung wirklich der Grund oder spielen hier auch andere Faktoren eine Rolle?

Fälle von Fehlernährung gibt es viele, sie sind in der Presse nur nicht präsent. Erst wenn das Wort „vegan“ auftaucht ist das Presseecho groß – denn vegan ist momentan DAS Thema. Ich kenne keinen Fall von Fehlernährung mit Wachstumsverzögerungen persönlich. Was ich aber den Artikeln entnehme ist, dass die Eltern der betroffenen Kinder extreme Ernährungsformen mit vielen Einschränkungen befolgen und bei ihnen große Unwissenheit und Fehlinterpretierung zur Ernährung von Säuglingen herrscht. Das hat nicht zwangsweise etwas mit einer veganen Ernährung zu tun.

Hat vegane Ernährung, neben ethischen und Umweltaspekten, auch Vorteile für die Gesundheit von Kindern?

Das kann man nicht pauschal sagen. Langfristige Studien dazu gibt es noch nicht. Allerdings wird im Kindesalter, eigentlich bereits im Mutterleib, der Grundstein für die Ernährungsweise im Erwachsenenalter gelegt. Denn Essen ist ganz viel Tradition, Kultur, Emotionen und Gewohnheit. Wer mit einer rein pflanzlichen Ernährung aufwächst, wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch als Erwachsener mehr oder weniger so ernähren. Und nach allem was wir wissen, leben Vegetarier und Veganer gesünder, haben weniger Übergewicht und leiden seltener an Zivilisationskrankheiten wie Diabetes Typ 2, Herzerkrankungen oder Gicht und Bluthochdruck.

Was halten Sie von der Idee der veganen Kitas und Kindergärten?

Bei mir sitzen immer wieder Eltern, die ihre Kinder pflanzlich ernähren möchten und Schwierigkeiten mit der Umsetzung im Kindergarten haben. Denn die Kitas richten sich nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die eine pflanzliche Ernährung für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche nicht empfiehlt. In einigen Kitas ist selbst eine vegetarische Ernährung nicht machbar. Im Gegenteil sehe ich, dass es allgemein viel Fleisch und Wurstprodukte sowie Milch und Milchprodukte in den Einrichtungen gibt – mehr als von der DGE empfohlen.

Frisches Obst und Gemüse und vollwertige Getreideprodukte spielen häufig eine untergeordnete Rolle. Auch höre ich immer wieder, dass es an Ernährungsbildung bei den Erziehern mangelt oder kein Interesse vorhanden ist. Hier wäre schon mal ein guter Ansatz, um es den Eltern leichter zu machen. Ich finde die Einrichtung von rein veganen Kitas unterstützenswert, gerade weil hier die Möglichkeit der Ernährungsbildung besteht. Denn diese Einrichtungen informieren sich über einen ausgewogenen, abwechslungsreichen und vollwertigen Speiseplan und die Eltern müssen nicht ständig Kompromisse eingehen und gegen ihre Überzeugung handeln.

Was ist ihr Wunsch für die Zukunft in Bezug auf vegane Ernährung bei Kindern?

Ich wünsche mir, dass der Begriff in der öffentlichen Wahrnehmung und speziell in der Presse nicht mehr negativ besetzt ist. Dass es gesellschaftlich genauso respektiert wird wie die vegetarische Ernährung, die ja vor 30 Jahren auch noch belächelt und für nicht durchführbar erachtet wurde. Ich wünsche mir Aufklärung und ernsthaftes Interesse, insbesondere in der Ärzteschaft, in Schulen und öffentlichen Einrichtungen. Ich kenne Familien, die sehr frustrierende Erfahrungen mit Ärzten machen mussten. Anstatt die Entscheidung für eine pflanzliche Ernährung zu respektieren und die Eltern zu unterstützen, werden diese Eltern beschimpft und weggeschickt.

Ich bin überzeugt, dass wir bei den Kindern ansetzen sollten. Hier haben wir die große Chance, ihnen Werte und den Respekt vor dem Leben und der Natur mit auf den Weg zu geben und den Grundstein für ein gesundes Leben zu legen. Ernährung sollte generell Thema schon in der Schwangerschaft und auch in Kita und Schule sein. Dann aber bitte unabhängig – es geht nicht an, dass Nahrungsmittelhersteller Werbung unter dem Deckmantel der Ernährungsbildung machen können – aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Noch mehr Infos über Sonja Guse findest du hier.

Über den Autor

Redaktion GreenKIDZ.de

Leave a Comment