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Pfeif auf Perfektionismus: Nachhaltig und entspannt mit Baby

Entspannt mit Baby

Ein nachhaltiges Leben mit Baby kann eine ganz schöne Herausforderung sein. Wie man dabei entspannt und dem Perfektionismus fernbleibt, erzählt Sina aka. MutimBauch im Interview.

Ein Baby verändert alles. Es ist eine Bereicherung, kann aber auch eine Beziehungsprobe sein. Es erfüllt deinen Traum, aber raubt dir den Schlaf. Das haben auch Sina und ihr Mann Marcel im ersten Jahr nach der Geburt ihrer Tochter Rosa feststellen dürfen. Auf YouTube und Instagram ist Sina unter dem Namen MutimBauch bekannt und lässt ihre Follower dort regelmäßig an ihrem Familienleben teilhaben. Es gibt Family Food Diaries, Informationsvideos zur veganen Beikost und Alltags-Vlogs. Und sie spricht dabei auch Dinge an, die man in der perfekten „Momfluencer“-Welt sonst nicht hören würde. Zum Beispiel die Tatsache, dass Babys oft nicht nur anstrengend, sondern auch ganz schön langweilig sein können. Im Interview erzählt Sina, was sich mit dem Einzug von Rosa verändert hat, wie sie die Themen Nachhaltigkeit und Baby relativ entspannt unter einen Hut bringt und welche Tipps sie anderen (werdenden) Eltern geben würde.

GreenKIDZ: Hallo Sina, auf deinem Youtube-Channel MutimBauch und auf Instagram geht es vorrangig um die Themen vegane Ernährung und Nachhaltigkeit. Seit eure Tochter Rosa geboren wurde gibt es außerdem viel Baby-Content. Wie hat sich euer Leben seit der Geburt verändert?

Nachhaltig entspannt mit Baby
Sina und Rosa I Bild: Sina Hildmann

Sina: Unser Leben hat sich natürlich total verändert. Vorher waren wir nur zu zweit, unsere einzige Verantwortung waren unsere beiden Hunde. Wir konnten sonntags den ganzen Tag auf der Couch chillen und Serien schauen, haben beide viel gearbeitet und einfach unser Ding gemacht. Mit Baby/Kleinkind ist das anders. Einen ganzen Tag rumliegen ist nicht mehr, da möchte schließlich jemand bespannt werden. Es geht ganz viel um Zeitmanagement, damit wir beide trotzdem noch unserer Arbeit nachgehen können. Es ist völlig anders. Aber wunderschön.

Thema Nachhaltigkeit und Kleinkind: Ihr scheint den Spagat relativ entspannt zu meistern. Was ist euer Geheimnis?

Da stellt sich die Frage, was man unter „meistern“ versteht. Wir sind deshalb so entspannt, weil wir eben nicht den Anspruch haben, alles perfekt machen zu müssen. Beispiel: Wir haben uns für Wickeln mit Stoff entschieden und sind super happy damit. Auf unserem Roadtrip sind wir aber zum Beispiel auf Wegwerfwindeln umgestiegen. Es wäre mit Sicherheit irgendwie möglich gewesen, trotzdem mit Stoff zu wickeln, aber nicht ohne Aufwand und da hatten wir um Urlaub keine Lust drauf. Ich denke mir in solchen Situationen: Wenn alle Eltern in drei Windeljahren ausschließlich 4-6 Wochen mit Öko-Wegwerfwindeln und den Rest mit Stoffwindeln wickeln würden, dann wäre schon enorm viel getan. Es geht nicht darum, dass einzelne Menschen alles perfekt machen, sondern dass jeder das tut, was er kann – ohne sich zu stressen.

Mit Sicherheit habt ihr euch vorher schon Gedanken darüber gemacht, wie ihr das nachhaltige Leben mit Kind angehen wollt. Was lief bisher nach Plan, an welchen Stellen wurden eure Pläne über den Haufen geworfen?

Wie gesagt, das mit den Stoffwindeln lief einigermaßen nach Plan. Da haben uns so viele prophezeit, dass wir das nach ein paar Wochen eh hinschmeißen würden, weil viel zu anstrengend. Aber nein, wir empfinden das nicht als anstrengend und sind happy mit der Entscheidung. Beim Thema Klamotten wollte ich ausschließlich Second Hand oder Fair Fashion kaufen. Bis auf ein paar Ausnahmen (Bodys und Strumpfhosen) läuft das auch super. Da wir uns selbst vegan ernähren, war für uns auch ganz klar, dass auch bei unserer Kleinen keine tierischen Produkte auf dem Teller landen. Auch das klappt wie erwartet wunderbar. Ich kann mir vorstellen, dass wir beim Thema Spielzeug noch an unsere Grenzen stoßen werden. Denn das grelle Plastikspielzeug wird tatsächlich immer spannender. Ach uns Rosa liebt eine ganz bestimmte Sorte Gemüsequetschies – was die Verpackung betrifft leider alles andere als nachhaltig.

Was habt ihr im ersten Jahr mit Rosa gelernt?

Ein Baby als Beziehungsprobe
Beziehungsprobe?
Bild: Sina Hildmann

Dass so ein Baby eine ganz schön krasse Herausforderung für eine Beziehung sein kann. Und dass man niemals auf Prophezeiungen und ungefragte Ratschläge von anderen Eltern hören sollte, denn am Ende ist jedes Kind und jede Familie anders.

Wie haben Freunde und Verwandte reagiert, als bei euch die Themen Stoffwindeln oder vegane Beikost aufkamen?

Wir haben großes Glück mit unserem Umfeld. Unser Freundeskreis ist durchweg vegan und so nachhaltig wie möglich unterwegs. Und von unseren Familien haben wir eh schon lange den Ökostempel aufgedrückt bekommen – die haben nichts anderes erwartet. 😉 

Hast du Tipps an andere (werdende) Eltern, die vielleicht nicht wissen, wo sie beim Thema Nachhaltigkeit ansetzen sollen?

Entspannt euch und probiert euch einfach mal durch, ohne irgendwelche Vorurteile im Kopf zu haben. Es wurde, glaube ich, schon ziemlich deutlich, dass ich überzeugt bin von Stoffwindeln. Ich finde, das kann jeder umsetzen. Und Wegwerfwindeln sind ökologisch betrachtet nun mal die größte Sünde, wenn es ums Thema Baby geht. Selbst wenn ihr euch nur tagsüber für Stoffwindeln entscheidet und nachts zur Wegwerfwindel greift – das ist besser als nichts!

Nachhaltigkeit wird entspannt vorgelebt
Nachhaltigkeit vorleben statt großartig erklären Bild: Sina Hildmann

Wie wollt ihr Rosa in Zukunft ein ökologisches Bewusstsein vermitteln? Habt ihr schon Pläne oder lasst ihr alles auf euch zukommen?

Ich glaube nicht, dass wir da bewusst irgendwas vermitteln müssen. Rosa wächst mit diesem Lebensstil auf. Sie kennt es nicht anders. Und ich bin mir sicher, dass das einen größeren Einfluss hat, als mit Worten irgendwas zu erklären. 

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Ein Interview geführt von Svenja Kopp I Symbolbild: Unsplash

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Redaktion GreenKIDZ.de

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