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Peace on Earth begins at Birth – Geburtsbegleitung durch eine Doula

Geburtsbegleitung durch eine Doula

Während der Geburt brauchen Frauen vor allem eines: Seelische Unterstützung. Mit einer Doula hast du eine geburtserfahrene Vertraute an deiner Seite.

Eine Geburt ist in der Regel anstrengend und schmerzhaft. Das ist kein Geheimnis. Eine Kompetente, nicht nur medizinische, sondern auch seelische Unterstützung ist währenddessen Gold wert. Mit einer Doula hast du jemanden an deiner Seite, der sich dabei um dein Wohlbefinden sorgt, dich mental unterstützt und begleitet.

Noch immer wissen viele Menschen nicht von der Existenz dieses Berufsbildes. Melanie Schöne will das ändern und hat deshalb 2008 den Verein Doulas in Deutschland gegründet. Dort findest du Doulas in deiner Nähe und Informationen zur Begleitung rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienzeit. Im Interview erzählt Melanie Schöne, welche Geschichte hinter dem Beruf steckt, worin er sich vom Hebammenberuf unterscheidet und welche Vorteile es bietet, unter Anwesenheit einer Doula zu gebären.

GreenKIDZ: Frau Schöne, Was ist eine Doula und worin unterscheidet sie sich von einer Hebamme?

Eine Doula steht dir auch schon vor der Geburt beratend zur Seite I Bild: Unsplash

Melanie Schöne: Eine Doula ist eine Ergänzung, ein PLUS an Unterstützung und Begleitung für Frauen rund um die Geburt. Sie übernimmt keinerlei medizinische Aufgaben und steht der Schwangeren und ihrer Familie als Vertraute zur Seite, stärkt deren Eigenkompetenz und Selbstbestimmung und ist nur den Wünschen und Bedürfnissen der Schwangeren/Gebärenden/Wöchnerin verpflichtet. Sie begleitet die Gebärende kontinuierlich während der Geburt, bis das Baby geboren ist. Egal wo, egal wie lang. Sie kennt die Abläufe im Kreißsaal und wird von den meisten Klinikhebammen als wertvolle Unterstützung anerkannt.

Welche Geschichte steckt hinter dem Berufsbild der Doula und wie sind Sie selbst auf den Beruf aufmerksam geworden?

Doulas gab es schon immer in vielen Kulturen. In den 1970er Jahren wurde zum Thema Mutter-Kind-Bindung geforscht und Studenten sollten bei den Frauen im Raum sitzen und beobachten und notieren, wie sich diese mit ihren Neugeborenen verhalten.

Eine Studentin namens Wendy machte ein wenig mehr: sie hielt die Hand der Gebärenden, strich ihr durchs Haar und sagte ihr ein paar aufmunternde Worte. Bei der Auswertung der Aufzeichnungen aller Studenten entdeckten die Wissenschaftler Klaus und Kennell, dass die Geburten signifikant anders verliefen, die durch Wendy „begleitet“ wurden. Es gab weniger Interventionen, weniger Kaiserschnitte, die durchschnittliche Geburtsdauer war kürzer und die Mütter waren überwiegend sehr zufrieden mit ihrem Geburtserlebnis und stillten ihre Babys. Darauf angesprochen, was sie denn gemacht habe, gab Wendy zu, dass sie sich nicht an die Vereinbarung gehalten hatte nichts zu tun und erzählte, was sie für die Frauen tat. Sie war einfach für sie da und umsorgte sie. Deshalb ist Wendy die erste „moderne Doula“ und alle weiteren Forschungen und Studien bauten darauf auf.

Ich kam auf die Doula, als ich in einem Buch „Die selbstbestimmte Geburt“ von Ina May Gaskin während meiner 2. Schwangerschaft davon las. Nach der Geburt meines Sohnes ließ mich das Thema nicht mehr los und da ich wusste, dass ich keine Hebamme sein will, war ich mir sicher, Doula ist genau das Richtige. Ich absolvierte meine Doula Ausbildung 2006 in Österreich bei Angelika Rodler.

Sie sind Gründerin des Vereins Doulas in Deutschland e.V., was war Ihre Motivation dahinter und wie ist der Verein entstanden?

Im Zentrum der Geburt: Mutter und Kind
Bild: Unsplash

Die Doulas in Deutschland zu etablieren, gerade über die Öffentlichkeitsarbeit ist nach wie vor die Motivation und dafür eignet sich ein Verein sehr gut, weil die anfallenden Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden können. Ebenso wichtig ist die Vernetzung von Doulas untereinander und der Austausch mit Hebammen. Da die Doula Geburtsbegleitung eine Privatleistung ist, wollen wir vor allem alleinstehenden Frauen die Möglichkeit geben, eine kostenfreie Doulabegleitung zu beantragen. Im vergangenen Jahr hat der Verein 16 ehrenamtliche Begleitungen finanziert.

Entstanden ist der Verein während der ersten Doula Ausbildung, die ich ins Leben rief – gemeinsam mit den ersten Teilnehmerinnen.

Als Sie Doulas in Deutschland e.V. 2008 gegründet haben, war der Beruf der Doula in Deutschland noch weitestgehend unbekannt. Inwiefern hat sich das gesellschaftliche Wissen darüber mit der Zeit geändert?

Aufgrund der Doulasuche, die wir auf der Website des Vereins installiert haben, erhalten viele Doulas Anfragen von Schwangeren, d.h. die Website hat sich in den vergangenen 12 Jahren im www etabliert. Natürlich trägt sich das Wissen auch via Social Media weiter, ebenso über Zeitungsartikel und TV-Beiträge. Zugegeben: es weiß immer noch nicht jede Schwangere von einer Doula, aber diejenigen, die ein Plus an Unterstützung und Begleitung in dieser aufregenden Zeit suchen, werden rasch fündig. Viele Hebammen wissen mittlerweile von Doulas in ihrer Region und empfehlen manchen Schwangeren auch, sich eine zu engagieren.

Über Ihre Website doulas-in-deutschland.de kann man einerseits eine Doula in seiner Nähe finden, andererseits findet man dort Informationen zur Doula-Ausbildung. Wie genau sieht die Ausbildung zur Doula denn aus?

Der Verein ist Kooperationspartner der Doula Ausbildung Melanie Schöne. Die Doula Ausbildung gab es ja bereits schon vor Gründung des Vereins und ist deshalb auch eigenständig geblieben. Ich biete zwei verschiedene Möglichkeiten der Ausbildung an. 1. an vier Wochenenden (Fr-So) in Karlsruhe und in Köln und 2. Eine Kombination aus Online Schulung und Präsenzwoche an unterschiedlichen Ausbildungsorten in Deutschland. So findet jede Interessentin am Doula-Sein genau die Art der Ausbildung, die zu ihr passt und das an verschiedenen Orten Deutschlands.

Welche Kenntnisse und Fähigkeiten sollte man mitbringen, wenn man sich zur Doula ausbilden lassen möchte?

Auch Geburtspartner*innen können sich von der Doula beraten lassen I Bild: Unsplash

Ein Mindestalter von 25 Jahren ist Voraussetzung und Geburtserfahrung wünschenswert. Die Möglichkeit, eine 24stündige Rufbereitschaft rund um den Geburtstermin abzudecken, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, körperliche und seelische Belastbarkeit. Zuhören können, flexibel auf neue Situationen reagieren können und einfühlsam sein.

Eine Hebamme während der Geburt reicht doch, werden sicher viele denken. Warum profitiert man dennoch von der Unterstützung einer Doula?

Die meisten Kinder werden in Geburtskliniken im Kreißsaal geboren. Dort betreuen 1-2 Hebammen an manchen Tagen bis zu 6 Schwangere/Gebärende gleichzeitig. Für manche Frauen ist die Hebammenbetreuung vollkommen ausreichend, andere wünschen sich ein Plus an Unterstützung und kontinuierliche Begleitung durch eine vertraute geburtserfahrene Person, die frei und unabhängig und nicht mit der Klinikroutine verbunden ist.

Obwohl der Aufgabenschwerpunkt einer Doula die Begleitung während der Geburt ist, stehen Sie Eltern auch davor und danach unterstützend zur Seite. Welches Ziel möchte Doulas in Deutschland e.V. letztendlich mit seiner Hilfe erreichen?

Ziel aller Doulas in unserem Verein ist es, Mütter in einer wahnsinnig intensiven aufregenden Zeit bestmöglich unterstützen und ihnen Wege und Möglichkeiten aufzeigen, die eigene Selbstbestimmung und Eigenkompetenz zu stärken. Die Fachfrau über Schwangerschaft und Geburt ist die Frau selbst. Sie ist die Königin und braucht rund um die Geburt Menschen um sich, die an sie glauben, sie motivieren, sie unterstützen und umsorgen. Ich sehe das als präventive Aufgabe als Doula, dem Baby und der Familie so zu einem idealen und individuell guten Start und zu einer guten Bindung zu verhelfen. Denn: PEACE ON EARTH BEGINS AT BIRTH.

Nach der Geburt folgt das Wochenbett. Wie du dieses möglichst nachhaltig gestalten kannst, erfährst du hier: Tipps für ein nachhaltiges Wochenbett.

Ein Interview geführt von Svenja Kopp I Symbolbild: Unsplash

Über den Autor

Redaktion GreenKIDZ.de

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