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Ich bin anders als du – Diversity im Kinderbuch

Diversity für Kinder

Wie man Kindern Toleranz beibringt und ihnen zeigt, dass Anderssein nichts Schlechtes ist.

Wir alle sind anders. Wir alle sind gleich. Was erst einmal verwirrend klingt, ist eigentlich ganz einfach: Jeder Mensch hat etwas, das ihn einzigartig macht und von anderen unterscheidet. Gleichzeitig können wir mit jedem Menschen 

Gemeinsamkeiten finden – und sei es nur das Lieblingsessen. Toleranz und Vielfalt sind wichtige Themen in der Kindererziehung, damit die zukünftige Generation möglichst ohne Vorurteile, aber vor allem ohne Hass und Ausgrenzung aufwächst. Constanze von Kitzing ist Kinderbuchautorin spricht mit Ihrem Buch „Ich bin anders als du – Ich bin wie du“ das Thema Diversity an. In unserem Interview erzählt sie, was hinter ihrem Buch steckt und welche Werte sie jungen Lesern darin vermitteln will.

GreenKIDZ: Frau von Kitzing, was hat Sie dazu inspiriert, Diversity zum Thema Ihres Buchs „Ich bin anders als du – Ich bin wie du“ zu machen?

Constanze von Kitzing: Das Thema Vielfalt ist immer schon mein Herzensthema, ich versuche dem Thema so natürlich wie möglich in allen meinen Büchern Raum zu geben. Ich möchte, dass alle Kinder sich repräsentiert fühlen und sich in Kinderbüchern wiederfinden. Oft sind Kinder mit Migrationshintergrund nur Randfiguren in Büchern und bei Kindern mit Behinderung wird das Thema oft in den Mittelpunkt gestellt, statt, dass einfach in Büchern einfach ganz selbstverständlich auch Kinder mit Behinderung auftauchen, das gehört ja zu unserem Alltag und unserer Lebensrealität dazu. Das Fehlen von Vielfalt in Kinderbüchern führt dazu, dass Kinder sich unterbewusst oder bewusst als „anders“ wahrnehmen, als nicht dazugehörig. 

Das Thema meines Buches ist für mich auch eher Toleranz als Vielfalt. Die Vielfalt ist einfach ganz normal, die Frage ist nur, wie wir mit ihr umgehen. Ich habe versucht im Buch zu zeigen, dass jeder von uns sich von anderen Menschen in einigen Punkten unterscheidet und in anderen Punkten gleicht. Ich habe auch viel Kinder beobachtet, die oft noch gar nicht in diesen Klischees denken wie wir. Das beobachte ich oft in Lesungen, dass ich das erste Bild zeige, ein schwarzes Mädchen und einen weißen Jungen. Für uns Erwachsene ist das erst mal das, was ins Auge springt. Fragt man Kindern, sehen sie als erstes das Shirt das anders ist, oder dass das eine Kind eine Mütze anhat, oder dass sie unterschiedliche Frisuren haben. Blättert man um sagen die Kinder einem, was sie für ihren größten Unterschied halten, nämlich, dass das Mädchen lieber Pizza und der Junge lieber Spaghetti mag. So spiele ich ganz bewusst auch viel mit unseren eigenen Erwartungen. 

Erzählen Sie uns einmal, worum es in Ihrem Buch geht?

Das Buch ist ein Wendebuch, man kann es von zwei Seiten lesen. Von der einen Seite liest man: “Ich bin anders als du“ und von der anderen „Ich bin wie du“. Für mich ist das wie zwei Seiten einer Münze, das eine kommt nicht ohne das andere, wir alle haben mit anderen Menschen Gemeinsamkeiten und auch Unterschiede. Im Buch geht es mir darum die gesellschaftlich dominanten Unterschiedlichkeiten etwas aufzuweichen und schauen was man sieht, wenn man einen Schritt weitergeht. Viele Kinder stehen nebeneinander und sagen jeweils, was sie von dem nächsten Kind unterscheidet. Von der anderen Seite stellen Kinder ihre Gemeinsamkeiten fest. In der Mitte treffen sich dann zwei Kinder, die einfach sagen: Ich bin ich!

Welche Werte versuchen Sie, Kindern mit Ihren Geschichten zu vermitteln?

Dass es normal ist anders zu sein. Jeder ist anders und jeder auf eine andere Art. Dass es schön ist anders zu sein. Dass Vielfalt schön ist und neugierig macht. Dass wir auf Menschen zugehen und fragen sollen. Dass jedes Kind so wie es ist gut ist. Dass jedes Kind so wie es ist gemeint und geliebt ist. Dass wir in jedem Menschen, der anders zu sein scheint als wir, ganz sicher auch eine Menge Gemeinsamkeiten finden. Dass Kinder ihren Raum bekommen, Kinder zu sein und die Welt neu mit ihren Augen entdecken können, ohne vorgefertigte Meinungen und Menschenbilder serviert zu bekommen. Dass jeder selbst für seine Meinung und sein Handeln verantwortlich ist. 

Ab welchem Alter, denken Sie, sind Kinder empfänglich für die angesprochenen Themen und an welche Altersgruppe richten sich Ihre Bücher demnach?

Ich bekomme überschwängliche positive Rückmeldungen von Eltern von Kindern von zwei bis 6. Dieses Buchformat (Flexpappen) ist auch einzigartig und zielt darauf ab, eine große Spannbreite an Kindern zu unterhalten. Die Kleinen schauen sich die Bilder an und lernen durch die Wiederholung der Texte neue Worte. Ältere Kinder interessieren sich für Unterschiede und Gemeinsamkeiten und wieder ältere Kinder, können das Ganze auch schon in einen gesellschaftlichen Kontext setzen.

Ich mache Lesungen und Workshops zu dem Buch am liebsten in Grundschulen und es haut mich immer um, was einem da rückgemeldet wird. Kinder sind einfach so reif, so reflektiert und wir unterschätzen sie einfach immer wieder. In einer Brennpunktschule fragte ich, ob es ein Problem ist, anders zu sein als andere. Ein Junge meinte dann: „Ja, es ist ein Problem. Es ist dann ein Problem, wenn man deswegen ausgeschlossen wird!“ Das war so einfach formuliert und hat doch so klar gezeigt worauf es ankommt.

Ausgehend davon, dass Kindern heutzutage noch nicht genügend Toleranz vorgelebt wird, wie viel „Luft nach oben“ ist da noch? Was sollte sich konkret verändern?

Es ist nicht so einfach Kindern Toleranz vorzuleben, wenn wir oft in gesellschaftlichen Blasen leben, die wenige Berührungspunkte haben. Das ist ein strukturelles Problem. Ansonsten ist wichtig zu sehen, dass Ausgrenzen und Gruppen bilden ja normal ist. Wichtig ist aber, dass die Abwertung der jeweils anderen Gruppe wegfällt. Oder, dass man eben mehr Energie da reinsteckt, die Gemeinsamkeiten mit allen Menschen zu suchen, anstatt sich immer bewusst abgrenzen zu müssen. Meiner Meinung nach ist eine komplette gesellschaftliche Umwälzung nötig, wir tragen so viele Vorurteile in uns drin, das kann man nicht mit ein paar Kniffen beseitigen. Ich glaube wir müssen als erstens anerkennen wie gravierend, strukturell und wirklich schädlich die jetzigen Strukturen sind und, dass jeder einzelne von uns die Verantwortung, aber auch das Privileg hat eine neue Generation zu erziehen, die vielleicht ein wenig offener ist.

Sie sind selbst Mutter. Wie kann man Kindern, abgesehen von Büchern, das Thema Diversity näherbringen. Haben Sie da Tipps?

Das Wichtigste ist natürlich immer die eigenen theoretischen Werte in der Praxis umzusetzen. Kinder lernen durch Nachahmen. Ich beschäftige mich viel mit dem Thema und denke, dass man auch echt viel falsch machen kann. Wenn man zu viel über ein Thema redet, macht man es vielleicht erst zu einem Thema. Ich finde man kann sich bewusst bemühen, dass man selbst und die Kinder mit Menschen aus anderen Schichten, mit anderem Hintergrund, mit anderer körperlicher Verfassung regelmäßig in Berührung kommt und Freundschaften schließt. Und sich selbst auch immer wieder reflektiert. Ich glaube es ist unheimlich schwer sich als (in meinem Fall) weiße, heterosexuelle Frau ohne körperliche Einschränkungen in eine Person of Color, einen Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung oder einer körperlichen Behinderung hineinzuversetzen. Da braucht es Offenheit, ein gutes Ohr, die Bereitschaft zu lernen, den Willen Berührungsängste nach und nach abzubauen.

Planen Sie noch weitere Kinderbücher in die Richtung?

Wie gesagt, das Thema ist eine Herzensangelegenheit und ich arbeite grade an weiteren Büchern zu dem Thema, ja! 🙂

Als Erwachsene sind wir häufig schon ganz schön festgefahren in unseren Denkmustern und auch, wenn wir unser Bestes geben, tolerant und weltoffen zu sein, müssen wir doch zugeben: Auch wir haben Vorurteile. Auch wir sind nicht perfekt. Bei Kindern ist das oft anders. Es ist interessant, zu sehen, welche Unterschiede ihnen als erstes auffallen, wenn wir sie nicht mit bereits vorgefertigten Denkmustern konfrontieren. Ist es die Hautfarbe oder ist es das andersfarbige T-Shirt? Manchmal braucht es gar nicht viele Worte um zu zeigen: Anders sein ist gut. Ähnlich sein auch. Wir können uns trotzdem gut verstehen.

Übrigens: Das KIMI-Siegel hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bücher auszuzeichnen, die Vielfalt zeigen. Jedes Jahr werden Neuerscheinungen im Hinblick auf verschiedene Vielfaltskriterien überprüft und ausgezeichnet. Das Macht die Suche nach Kinderbüchern zum Thema Diversity noch einfacher!

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Ein Interview geführt von Svenja Kopp I Symbolbild: Canva

Über den Autor

Redaktion GreenKIDZ.de

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