Kleinkind-Pflege

An alle frisch gebackenen Mamas: Mut zur Ehrlichkeit

INTERVIEW | Eines der härtesten Fulltime-Jobs: – Mutter sein. Zeit, das reale Familienleben inklusive Kleinkind-Chaos und „Mama-Körper“ als liebenswert zu sehen.

Mütter – sie sind oft das Bindeglied der Familie und Ansprechpartnerin aller Angelegenheiten, für Kind und Kegel. Dabei wollen sie alles und jedem gerecht werden, eben die “perfekte” Mama sein. Neben diesem gesellschaftlichen Druck kommt noch die perfekte Scheinwelt der Influencer-Mamas hinzu. Chaos und Stress? – Ein Fremdwort in diesen Familien. Der “After-Baby-Body”, ganz ohne Dehnstreifen und Unförmigkeiten, wird auch fleißig geteilt. Direkt hinterher noch ein Post ihrer Kinder, die mit teurer Designerkleidung überhäuft werden und als “Fotomodel” herhalten müssen.

Schluss damit! – Das findet auch die „Sinnfluencerin“ und Buchautorin Miriam Fuz. Auf ihrem Blog und Instagram-Kanal Muttiversum will sie die herrlich ehrliche Welt einer frisch gebackenen Mama zeigen. Ihre Message: Sei stolz auf deinen Mama-Körper. Er hat Wunder vollbracht. Sei stolz auf das Familienleben, welches sich gerade doch durch dieses Chaos so auszeichnet.
Was du neben tollen Tipps für die ersten Schritte in ein nachhaltigeres Familienleben noch alles auf ihrem Blog erfahren kannst, liest du hier im Interview mit Miriam Fuz von Muttiversum.

GreenKIDZ: Hallo Miriam, du bist dreifache Mutter und teilst einen Teil deines Alltags bei Instagram. Würdest du dich also als „Momfluencerin“ bezeichnen?

Miriam Fuz: Ich sehe mich lieber als Sinnfluencerin. Ich versuche mein Follower auf meiner Reise hin zu einem nachhaltigen Familienalltag mitzunehmen und zeige dabei, dass auch kleine Schritte viel bewirken. Dabei kommen aber natürlich auch die Mama-Inhalte nicht zu kurz. Besonders wichtig ist mir, dass Mamas lernen, auf ihr Bauchgefühl zu hören und ihre eigenen Bedürfnisse auch ernst nehmen. Wir Mamas sind in vielen Fällen die Basis der Familien und es ist wichtig, dass es uns gut geht.

Auf Social-Media werden meist nur die positiven Seiten des Mama-Daseins beleuchtet: brave Kinder, entspannte Mütter, perfekte After Baby Bodys. Inwiefern hältst du das für gefährlich?

Die “After-Baby-Bodys” auf Instagram | Bild: unsplash

Ich bemühe mich immer, möglichst viel Realität zu zeigen. Denn auch mich selbst setzen so perfekte Accounts unter Druck und ich denke dann schnell „Ist es eigentlich nur bei uns so laut und chaotisch?“ Wenn ich das Chaos in den Kinderzimmern und der Küche zeige, bekomme ich immer dankbare Nachrichten von Followern, dass sie froh sind, dass es bei uns ganz normal zugeht. Wir dürfen nie vergessen, dass kleine Ausschnitte in den sozialen Medien niemals die Realität abbilden können und sollten uns daher solche perfekte Scheinwelten nicht zu Herzen nehmen.

Gerade durch Instagram und Co ist der Druck für Mütter enorm, nach der Geburt möglichst schnell wieder in Form zu kommen. Wie hast du das nach deiner ersten, zweiten und dritten Schwangerschaft empfunden?

Spaß im Mama-Alltag! Bild: Muttiversum

Die Pausen werden leider von Kind zu Kind seltener. Daher müssen wir Mamas lernen, sie aktiv einzuplanen. Es klingt egoistisch, aber irgendwann geht auch der Tank der allerbesten Mama leer, wenn sie ihn nicht wieder mit etwas Me-Time, Wellness oder einem Ausgleich wieder auffüllt. Dazu gehört auch, dass wir uns gut um unseren Körper kümmern. Das war für mich viel wichtiger als schnell wieder in Form zu kommen.

Ich habe mich eher darum gekümmert, dass ich genug Wasser trinke, damit ich keine Kopfschmerzen bekomme. Dass ich meine Beckenbodenübungen mache und etwas Kräftigung, weil das Baby von Tag zu Tag schwerer wurde. Dennoch musste ich irgendwann zur Krankengymnastik, weil mein ganzes Becken vom Baby-Tragen schief stand. Da ich meinen Körper im Blick hatte, fiel mir das zum Glück auf und ich bekam schnell Hilfe. Genau das wünsche ich allen Mamas: Dass sie sich um den eigenen Körper kümmern, mit dem Ziel, dass es ihm gut geht.

Du hast ein Buch zu dem Thema geschrieben: „Nicht makellosaber perfekt. Entspannt und glücklich mit deinem Mama-Körper nach der Schwangerschaft“. Wie kam es dazu und welche Message willst du anderen Müttern damit auf den Weg geben?

Leider bekommen wir Mütter durch die sozialen Medien oft suggeriert, dass wir auch nach der Schwangerschaft wieder eine perfekte Figur bekommen können, wenn wir uns nur richtig anstrengen und die Chips auf der Couch abends weglassen. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Ein Körper verändert sich oft grundlegend durch eine Schwangerschaft und da hilft nicht in allen Fällen Disziplin.

Manche haben danach ein breiteres Becken, andere größere Füße, bei einigen hängen danach die Brüste oder die Haut reißt am Bauch oder an anderen Stellen. Viel wichtiger ist es deshalb, dass wir lernen, dass wir auf unseren Mama-Körper stolz sein dürfen und anerkennen, welches Wunder er vollbracht hat. Und dass wir uns in unserem Körper wohlfühlen können, auch wenn er nicht makellos ist.

Abgesehen von der Optik. Wie hat sich dein Körper durch die Schwangerschaften noch verändert, was du vorher gerne gewusst hättest?

Mein Beckenboden hat durch die drei Schwangerschaften sehr gelitten und ich hatte unter anderem zwei Blasensenkungen. Durch den Besuch in einer Beckenbodenambulanz und mit viel Training (mit den richtigen Geräten) habe ich den Beckenboden wieder stärken können. Es war aber auch gut so, dass ich es vorher nicht wusste.

Vielleicht hätte ich mich weniger unter Druck gesetzt, gleich wieder schlank und fit zu werden, wenn mich jemand bestärkt hätte, dass ein Körper sehr viel Zeit braucht nach einer Schwangerschaft und zwar mehr als die neun Monate, die der Volksmund sagt („9 Monate kommt der Bauch, 9 Monate geht er“) und Manches eben auch nicht mehr wird wie vor der Schwangerschaft. Genau deshalb habe ich auch mein Buch „Nicht makellosaber perfekt. Entspannt und glücklich mit deinem Mama-Körper nach der Schwangerschaft“ geschrieben.

Wie hat dein Mann das alles wahrgenommen? Konnte er deine Probleme und Unsicherheiten nachvollziehen?

Bild: Muttiversum

Er hat es natürlich mitbekommen, gerade auch die Probleme mit meinem Beckenboden. Er hat mich super unterstützt und mich auf meinem Weg begleitet. Sicher war Manches auch für ihn überraschend; über die Beckenbodenprobleme spricht ja kaum jemand. Aber er war immer für mich da und hat mich bei allen Entscheidungen bestärkt.

Hast du das Gefühl, dass allmählich ein Wandel zu mehr Realität in den sozialen Medien stattfindet?

Oh ja, zum Glück und das freut mich sehr. Es gibt zum Beispiel immer mehr prominente Mütter, die den ganz normalen After-Baby-Body zeigen und der ist eben oft nicht makellos. Da sie sehr viele Menschen erreichen über ihre Accounts ist das sehr wichtig. Denn so kann jede Mama sehen, dass ein runder, weicher Bauch nach der Geburt normal sein kann. Sicher gibt es auch Frauen, die nach der Geburt schnell wieder schlank sind – auch das kann normal sein. Aber jede Frau ist anders und ich finde es schön, dass man nun auch weiche, runde, wabbelige Bäuche in den sozialen Medien sieht. Die wurden noch vor vier, fünf Jahren kaum gezeigt und deshalb freut es mich nun umso mehr, dass sie nun auch ihren Platz in den sozialen Medien finden.

Welche drei Tipps würdest du anderen Müttern geben, die sich nach der Geburt unsicher in ihrem Körper fühlen?

#          Dein Körper hat ein Wunder vollbracht. Bitte gib ihm Zeit, sich von dieser Anstrengung zu erholen.

 #          Du bist wunderschön und daran ändern drei Falten, Schwangerschaftsstreifen oder fünf Kilogramm zu viel nichts. Sieh deinen Körper als dein Freund an und nicht als deinen Feind.

#          Das Bild des perfekten Körpers in der Gesellschaft ändert sich ständig. Bitte lauf keinem Ideal hinterher, das nicht universell ist und sowieso keinen Bestand hat.

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Ein Interview geführt von Svenja Kopp und Michelle Tempels I Symbolbild: unsplash, Bilder: Muttiversum

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Redaktion GreenKIDZ.de

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